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Wolky x FASHION FOR EDUCATION (FFORE)

WOLKY CARES: FASHION FOR EDUCATION (FFORE)

SEI TAPFER,
SEI ANDERS
Bildung ist für uns die normalste Sache der Welt. In vielen Regionen Marokkos ist sie für junge Mädchen keine Selbstverständlichkeit. Nassira Boudhan (40) hat dies selbst erlebt und findet, dass das geändert und vor allem besser werden muss. Mit Fashion for Education (FFORE) gibt sie Frauen und Kindern aus ihrer Heimatregion, und hoffentlich später aus ganz Marokko, die Chance auf Bildung und Zukunft.

„Ich war fast acht, als ich aus Marokko in die Niederlande kam. Ich hatte es hier immer gut, aber etwas nagte weiterhin an mir. Ein Bauchgefühl, das mit den Jahren immer stärker wurde. Es war keine Frage des Wollens, ich musste etwas unternehmen. Mit meinem Verlangen, marokkanischen Mädchen aus meiner Heimatregion Beni Boughafar, aber später vielleicht auch aus dem gesamten Rif-Gebiet oder sogar ganz Marokko, die Chance zu bieten, genau wie ihre Altersgenossen in den Niederlanden zur Schule gehen zu können.
Mein Geburtsort heißt Sammar. Er befindet sich in einer atemberaubenden, aber abgelegenen Bergregion. Da mein Vater und meine Onkel im Westen arbeiteten, war mein Opa unser Familienoberhaupt. Er bestimmte, wer zur Schule durfte und wer nicht. Mädchen der Familie erhielten dieses Privileg nicht. Sie durften zum Koranunterricht in der Moschee um die Ecke. Ich war zwar erst sechs, aber damit gab ich mich nicht zufrieden. Ich wollte zur Schule! Lesen und schreiben lernen, auch wenn ich damals noch nicht begriff, dass ich dafür jeden Tag zehn Kilometer laufen müsste.
Heimlich folgte ich eines Morgens einem Nachbarmädchen, das zu Schule gehen durfte. Ich sollte eigentlich sofort umkehren, weil ich nicht angemeldet war. Mein Glück war, dass der Lehrer es zu gefährlich fand, mich den ganzen Weg alleine laufen zu lassen. Aber er sagte, dass ich meinen Opa um das Familienbuch bitten sollte, damit er mich anmelden kann. Sobald ich zu Hause war, begann ich sofort im Schrank meiner Eltern zu suchen, während ich meine erboste Mutter und Oma ignorierte:
Ich sollte dies nie wieder tun! Aber ich tat es doch. Drei Monate später konnte ich bereits lesen und schreiben und war der Stolz
meines Opas.“

BILDUNG IN REICHWEITE
„In den Niederlanden hatte ich hinsichtlich Lernen und Schule die freie Wahl. Nach der Grundschule besuchte ich die Realschule in Utrecht, absolvierte eine weiterführende Ausbildung. Aber es wäre auch in Ordnung gewesen, wenn ich nach Groningen gewollt hätte. Die ganze Welt stand mir offen. Ein großes Glück, das immer häufiger von der Einsicht überschattet wurde, dass die Mädchen in meiner Heimatregion all diese Möglichkeiten nicht hatten. Häufig gibt es keine Busse zu weiterführenden Schulen, ein Studentenwohnheim ist zu teuer und Eltern vertrauen ihre Töchter sowieso lieber nicht der bösen Umwelt an.
2010 arbeitete ich noch als Marketingmanagerin bei einer Bank, als ich die Stiftung Bink entdeckte: Sie unterstützt jedes Jahr in einem bestimmten Land ein Projekt speziell für Kinder. Alle Fäden liefen zusammen! Gemeinsam mit Bink habe ich zunächst geprüft, was in Beni Boughafar im Bereich Bildung passieren musste. Das war einiges. Es musste Aufklärung über die Bedeutung der Bildung betrieben werden, Bildung musste zugänglicher gestaltet werden und Frauen sollten die Gelegenheit erhalten, selbst Geld zu verdienen, damit ihre Kinder in die Schule können. Wir wollten unser Projekt klein halten und ­entschieden uns dafür, ein Ziel zu verfolgen: Bildung zugänglicher zu gestalten. An einigen Orten gibt es zwar Schulen, es gibt aber keine Busverbindung dorthin. Und zu Fuß zur Schule zu gehen, ist für junge Mädchen zu weit und zu gefährlich. Mit einem großen Fest haben wir 2011 Spenden
 
Fashion for Education (FFORE)
gesammelt, um einige Busse zu kaufen. Die Busse wurden nach Marokko geliefert und so ist für zahlreiche Mädchen und Jungen jener Region Bildung in Reichweite entstanden.“

RESTLEDER VON WOLKY
„Mit Bink war vereinbart, dass ich nach Ende der gemeinsamen Projektzeit selbst die übrigen Ziele weiterverfolgen sollte. Ich habe als Marketingmanagerin gekündigt und mich in Vollzeit um mein eigenes Label gekümmert: FFORE. FFORE steht für Bildung für jedes Kind. In den Niederlanden entwerfe ich Kleidung, Wohnartikel und Accessoires, die ich von Frauen in Marokko anfertigen lasse. Da die Frauen somit ihr eigenes Geld verdienen, können Sie den Unterricht für ihre Kinder und häufig auch für sich selbst bezahlen.
Ich finde es wichtig, dass ich Produkte verkaufe, die handwerklich hergestellt wurden, damit diese Arbeitsweise wieder zu Ehren kommt und lebendig bleibt. Denken Sie an Lederverarbeitung, Wolle spinnen, weben, sticken. Daher habe ich mich ­entschieden, in allen Produkten von FFORE ein rot-weißes Tuch aus Wolle zu verarbeiten, das früher von nahezu allen Frauen im Nordwesten Marokkos als Umschlagtuch, Schürze oder Decke verwendet wurde: der Mendil. Ich lasse Röcke daraus herstellen, aber auch Taschen, deren Lederteile aus Restleder hergestellt sind, das ich von Wolky erhalte.
FFORE hilft somit Frauen, einerseits Einkünfte zu erwirtschaften, damit sie Unterricht bezahlen können, andererseits unterstütze ich mit dem Gewinn van FFORE Bildungsprojekte in Marokko. So schlage ich zwei Fliegen mit einer Klappe. Alle Produkte von FFORE werden in meinem Webshop verkauft. Künftig möchte ich jedoch auch mit Läden kooperieren, die an nachhaltiges Unternehmertum glauben. Das nagende Gefühl von einst ist verschwunden. Ich lebe jetzt meinen Traum und bin sehr glücklich und dankbar, dass sich dies tun kann und darf.“

Weitere Informationen: FFORE.com
Interview Fleur Baxmeier

FFORE

Tasche aus Wolkys Restleder (Foto: Kiekus Fotografie).

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