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Wolky x KUYCHI

WOLKY CARES: KUYCHI

ZUHAUSE IST,
WO DAS HERZ IST
„Es war, als würde ich gerufen. Ich hatte eine Dokumentation über Straßenkinder in Lima ­gesehen und spürte sehr stark, dass es Zeit wurde, dem Leben etwas zurückzugeben. Also plante ich eine Reise nach Peru und war von der ­atemberaubenden Natur und der beeindruckenden Geschichte begeistert, vor allem aber berührten mich die bitteren Lebensbedingungen der Kinder in den Armenvierteln. Ihre traurige, aussichtslose Situation. Nach meinem Aufenthalt beschloss ich, sofort zurückzukehren und definitiv ein eigenes Projekt ins Leben zu rufen. Ich wollte den chancenarmen Kindern eine neue Perspektive geben.

Daraufhin habe ich meine Wohnung in Amsterdam verkauft und bin nach Cusco gereist. Dort suchte ich nach einem geeigneten Standort, den ich etwas außerhalb von Cusco fand: ein drei Hektar großes Grundstück im Heiligen Tal. Ein wunderschöner Ort, an dem klares Wasser aus den Bergen fließt und das Grün üppig wächst. Dort begann ich gemeinsam mit siebzig arbeitslosen Peruanern mit dem Bau meines Komplexes: der Grundstein der Stiftung Niños del Arco Iris, auf Deutsch Kinder des Regenbogens. Drei schwere und manchmal einsame Jahre lang war ich sieben Tage die Woche von morgens bis abends an der Arbeit.
Natürlich habe ich schon mal gedacht: Warum mache ich das bloß? Ich hatte ein schönes Leben, eine Wohnung an der Gracht, eine liebevolle Familie mit zwei gesunden Kindern, eine interessante Arbeit in der Kunst- und Architekturwelt. Aber ich musste einfach nach Peru. Die innere Stimme war stärker als mein Ego. Ich hatte ­jahrelang ein ausgelassenes und luxuriöses Leben geführt und spürte sehr deutlich, dass es Zeit wurde, dem Leben etwas zurückzugeben. Ich wusste, dass wenn ich es jetzt nicht mache, dann nie. Ich glaube, dass es im Leben Einladungen gibt, die in jenem Moment zu einem passen. Dies war eine solche Einladung.“

LEBENSLUST
„Die Stiftung Niños del Arco Iris umfasst ­inzwischen Schulen, eine Kita, Ausbildung und medizinische Versorgung. Es begann jedoch alles mit dem Aufbau einer Familie. Von Beginn an wollte ich in Peru ein familiäres Umfeld schaffen. Kindern, die aus erbärmlichen Verhältnissen kommen, ein sicheres und vertrautes Zuhause bieten. Kinder haben das Recht auf Liebe, Recht auf Bildung und Recht auf so vieles mehr. Viele peruanische Kinder entbehren dieser Rechte. Sie streunen durch die Straßen, werden missbraucht und misshandelt. Ich finde das furchtbar und wollte daran etwas ändern.
Oft werde ich gefragt: Wie hast Du die Kinder gefunden? Aber sie haben mich gefunden. Achtzehn peruanische Kinder habe ich in meine Obhut genommen und mit jedem einzelnen habe ich eine besondere Bindung. Sieben von ihnen sind inzwischen flügge geworden, aber unser Kontakt ist immer noch eng. Ich bin ihre mamita (Spanisch für Mama, Anm. d. Red.). Die Erziehung einer solch großen Familie war nicht immer einfach. Es erforderte unendliche Geduld, Zuwendung und Liebe. Aber das schönste Geschenk der Welt ist es, die Kinder aufblühen zu sehen. Aus traumatisierten wurden lebensfrohe und glückliche Menschen.
Der Aufbau einer Familie war ein einmaliges Projekt, aber die anderen Einrichtungen – Grundschulunterricht, Berufsausbildung, Kita, medizinische Versorgung, zahnärztliche Hilfe – führen wir natürlich fort. Derzeit unterrichten wir rund zweihundert Kinder und Eltern. Menschen aus der ganzen Region kommen wegen zahnärztlicher Betreuung zu uns. Ab und zu gehen wir mit einem Team in die Anden, um bei Menschen ­medizinische Hilfe zu leisten. Eine acht- bis ­neunstündige Reise in 5000 Meter Höhe. Nur mit unserer Hilfe können die Menschen in diesen abgelegenen Gebieten überleben. Es ist oft sehr schwere, aber auch unheimlich dankbare Arbeit.“
 
Kuychi REICHER MENSCH
„Unsere Stiftung hat keine Gemeinkosten. Alles erreicht die peruanischen Kinder. Darauf bin ich stolz. Das ist unser Grundgedanke: Dem Leben etwas zurückgeben. Aus den Niederlanden werden wir von einem Team Ehrenamtlicher unterstützt und bis 2007 arbeiteten auch alle in Peru auf ehrenamtlicher Basis. Inzwischen sind dreißig Peruaner fest angestellt, die dadurch bessere Lebensbedingungen erlangen. Wir finden es sehr wichtig, dass Menschen mündig werden und ­lernen, für sich selbst einzutreten. Man ist kein Opfer, das die Hand aufhält, sondern kann selbst auch etwas.
Die Menschen, die wegen Bildung oder medizinischer Versorgung zu uns kommen, sollen entsprechend unserer Philosophie alle etwas zurückgeben. Patienten geben uns etwa eine Möhre oder Zwiebel, Schüler reinigen wöchentlich die Gebäude, Studenten legen Stromleitungen in Schulen und so weiter. Sie geben so auch ihrer eigenen Gesellschaft etwas zurück und das ist für die Fortsetzung des Projekts wichtig. Eines Tages soll alles ohne mich funktionieren und daher ist es entscheidend, dass alle ihre entsprechende Verantwortung übernehmen.
Es waren intensive, schwere Jahre. Ja, stärker noch. Wenn ich vorher gewusst hätte, wie ­schwierig es werden würde, wäre ich die Sache vielleicht nie angegangen. Zum Glück können wir nicht in die Zukunft schauen und hat mich der Glaube an Niños del Arco Iris all die Zeit auf den Beinen gehalten. Wir sind nur ein Rädchen im Getriebe, aber für zahlreiche Kinder sind wir ein sehr ­wichtiges Rad. Wenn ich sehe, was wir in elf Jahren alle ­zusammen erreicht haben, dann empfinde ich mich als einen reichen Menschen. Ich hoffe, noch lange meinen Beitrag in Peru leisten zu können.“

Weitere Informationen: kuychi.org

Interview Fleur Baxmeier

HELFEN SIE DEN KINDERN
Sie können die Stiftung Kuychi von Helena van Engelen vielfältig unterstützen: Mit einer ­einmaligen oder monatlichen Spende, durch die Veranstaltung von Aktionen, Mitarbeit vor Ort usw. Weitere Informationen über das Projekt und Spendemöglichkeiten finden Sie auf www.kuychi.org
kuychi_project

MAMITA HELENA
Die Journalistin Inez van Oord und die Fotografin Mirjam Bleeker waren dreißig Tage bei Niños del Arco Iris. Ihre Freundinnen, die Designerin Pieke Bergmans und die Künstlerin Jet Bergmans, begleiteten sie. Ergebnis ist das wunderschöne Buch Mamita. Es enthält zahlreiche Fotos, Geschichten (auf Englisch) und Illustrationen. Weitere Informationen auf www.mamitahelena.com
Mamita